GroßgolternGeschichtsunterricht ist meistens trocken und hat nicht immer Bezug zur unmittelbaren Umgebung. Während Griechen und Römer ihr Gemeinwesen aufbauten, war es hier in der Norddeutschen Tiefebene weit weniger interessant. Die folgende Tabelle soll einen ungefähren Überblick über die Entwicklung dieser Gegend und Großgolterns geben, ohne jedoch den Blick auf die Weltgeschichte zu verlieren.
Vielen Dank an Heinz-Chr. Meier für seine "Chronik der ev.-luth. Kirchengemeinde Großgoltern - Nordgoltern - Eckerde 1181 - 1981". Viele der Daten sind diesem Werk entnommen, das er anläßlich der 800-Jahr-Feier im Jahr 1981 zusammengetragen und bearbeitet hat.
| 12.000 v.Chr. | Goltern liegt unter den Gletschern der letzten Eiszeit, die die gesamte Norddeutsche Tiefebene bis nach Einbeck bedeckten. |
| Prähistorie | Bereits in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit ist die Gegend besiedelt. Das wird durch zahlreiche Funde wie Hügelgräber und Steinbeile bestätigt. |
| 12 v.Chr. | Augustus wird römischer Kaiser. |
| 7 v.Chr. | Nach neuester Geschichtsschreibung wäre die Geburt Jesu Christi auf das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung zu legen.
Der altgermanische Stamm der Cherusker beherrscht das Gebiet nördlich des Harzes zwischen Weser und Elbe. Deren Nachbarn und Verbündete sind die Angrivarier (auch: Engern), die beidseitig der mittleren Weser ansässig sind. Der Hellweg vor dem Sandforde führt von Minden über die Bückeberge, Bad Nenndorf, Großgoltern, Leveste, Gehrden, die Marienburg und Hildeheim zur Elbe. Möglicherweise gab es hier in Goltern schon eine heidnische Kultstätte, denn die ersten christlichen Missionare haben ihre Kirchen an solchen Stellen gebaut. Die Weltbevölkerung umfaßt ca. 160 Millionen Menschen. |
| 4 n.Chr. | Die Cherusker schließen mit Tiberius einen Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrag. Die Söhne des Cheruskerfürsten Segimer, Arminius und Flavus, gehen als Heerführer germanischer Hilfstruppen in römischen Dienst. |
| 9 n.Chr. | Im Teutoburger Wald findet die berühmte gleichnamige Schlacht statt zwischen Arminius ("Hermann der Cherusker", * -17, ermordet +21) und den 3 Legionen des Publius Quinctilius Varus (der, wie eine stattliche Zahl seiner Offiziere auch, nach der Niederlage Selbstmord begeht); damit kommt der römische Vormarsch in Germanien zum Stehen. Der ursprüngliche Plan Roms, die Grenzen bis an die Elbe zu verkürzen (und damit die Gesamtlänge der zu schützenden Grenzlinie drastisch zu reduzieren), muß aufgegeben werden. |
| 19. August 14 | Kaiser Augustus stirbt. |
| 1. Jahrhundert | Die Cherusker werden von den Chatten unterworfen. Die Chatten waren ein bedeutender Volksstamm zwischen Eder, Fulda und Schwalm. Wahrscheinlich gingen beide später im sächsischen Stammesverband auf. Die Chatten werden 203 letztmalig erwähnt. |
| 2. Jahrhundert | Die Altsachsen sind im südlichen Holstein und westlichen Mecklenburg ansässig. |
| 316 | Enthauptung von Blasius, Bischof von Sebaste in Armenien (heute: Siwas). Er ist der Namenspatron der Kirche. |
| um 450 | Um 450 übertreten die Altsachsen die Elbe und setzen sogar nach England über.
Die germanischen Stämme der Angrivarier und Cherusker schlossen sich den Sachsen freiwillig und unter Beibehaltung des eigenen Rechts an. Nach geographischen Gesichtspunkten gab es die sächsischen Stammesgruppen der
Die Sachsen waren alle frei in der Rechtsausübung. Nur in unruhigen Zeiten wurde ein Herzog gewählt. |
| 531 | Frankenkönig Theoderich unternimmt einen Feldzug gegen seinen Schwager König Irminfried von Thüringen. In diesem Zusammenhang wird Ronnenberg erstmalig erwähnt. |
| 8. Jahrhundert |
Die einzige Quelle für das Stammesleben der Sachsen im 8.Jahrhundert ist die "Vita Lebuini antiqua". Der Möch Lebuin bemühte sich zusammen mit seinem Gefährten Marchelm, die Sachsen zu missionieren. Die hierzu erfolgten Ausführungen Lebuins lauten in der Übersetzung: Lebuin ging hin und wieder nach Sachsen, bemüht, Menschen für Christus zu gewinnen und bekehrte viele zum Glauben an Christus. Er hatte auch Freunde und Vertraute unter den Vornehmen, darunter war ein reicher Mann im pagus Sudergo, namens Folcbraht... Einen König hatten die alten Sachsen nicht, sondern Statthalter (satrapae) in den Gauen. Auch war es Sitte, daß sie einmal im Jahr mitten im Sachsenland eine allgemeine Versammlung an der Weser bei dem Ort, der Marclo heißt, abhielten. Dort kamen gewöhnlich alle Statthalter zusammen, sowie aus den einzelnen Gauen 12 auserwählte Adlige und ebensoviel Freie und ebensoviel Liten. Sie erneuerten dort ihre Gesetze, fanden das Urteil in wichtigen Rechtsfällen und beschlossen, was sie während des Jahres an Kriegs- und Friedensunternehmungen durchführen wollten, in gemeinsamer Beratung. Dieser Ort könnte Lohe bei Nienburg gewesen sein, wie die Nationalsozialisten glaubten und ihn deshalb in Marklohe umbenannten. (?) Der Heimatforscher Konrad Wiebking geht jedoch davon aus, dass es sich um die Ortschaft Wasserstraße handelt, die heute zur Stadt Petershagen gehört. |
| 772 | König Karl der Große beginnt die gut 30 Jahre andauernden Sachsenkriege, um sie zu christianisieren und dauerhaft in seinem Reich einzugliedern. |
| 782 | Sachsenherzog Wittekind erzielt seinen letzten großen Sieg über die Franken im Süntel. Später wird sich Karl der Große in Verden dafür rächen und läßt an einem Tag 4.500 Sachsen enthaupten. |
| 785 | Sachsenherzog Wittekind unterwirft sich und läßt sich taufen. |
| 798 | Karl der Große hält ein Heerlager in Minden ab. |
| Weihnachten 800 | Kaiserkrönung in Aachen: Karl der Große läßt sich zum Kaiser krönen. |
| 804 | Der Widerstand der Sachsen ist endgültig zu Ende. Die Gegend ist verödet und fast entvölkert. Außerdem wurden viele Zwangsumsiedlungen durchgeführt, Edelhöfe werden den Franken übertragen.
Das Recht der Selbstverwaltung wird aufgehoben, die alte sächsische Gauverfassung mit ihrer freien Volkswahl wird ausser Kraft gesetzt. Stattdessen wird die fränkische Grafschaftsverfassung eingeführt. Karl der Große ernennt einen Herzog für Sachsen und Gaugrafen für die vier ehemaligen sächsischen Herzogtümer. |
| 30. Juni 892 | Kirchdorf wird erstmals urkundlich erwähnt. Das ist die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung im Gebiet der späteren Stadt Barsinghausen.
Die Weltbevölkerung beträgt ca. 320 Millionen Menschen. |
| 10./11. Jahrhundert | Die Billunger sind gleichzeitig Herzöge für Sachsen und Gaugrafen im Marstemgau. |
| 1148 | Der sächsische Herzog Heinrich der Löwe aus dem Welfenhaus siedelt und missioniert im Osten, war bereits in Mecklenburg und Pommern und erwirbt nun auch Lübeck, das Bischofssitz wird. |
| 1158 | Älteste urkundliche Erwähnung des Namens Goltern: Es geht um die Abführung des Zehnten an Herzog Heinrich den Jüngeren von Bayern und Sachsen.
Die Schreibweise ist "Golturne". |
| 29. Dezember 1181 | Älteste urkundliche Erwähnung der Kirche zu Goltern:
Bischof Anno zu Minden schlichtet in Wunstorf einen Streit über die Unterwürfigkeit der zum Stifte Wunstorf gehörigen Pfarrgeistlichen zu Goltern und Nenstede. Synoden daselbst und deren Kostenbestreitung zwischen dem Domscholaster und Achidiakon der Wunstorfer Kirche Hermann und der Äbtissin Oda. |
| 1182 | Aufgrund seiner häufigen Übergriffe lud Kaiser Friedrich Barbarossa (Staufer) Heinrich den Löwen vor sein Hofgericht. Heinrich erscheint nicht und wird deshalb geächtet, verliert seine Erwerbungen und behält nur sein Familiengut Braunschweig und Lüneburg. Damit wird das Herzogtum Sachsen geteilt. Heinrich geht in die Verbannung zu seinem Schwiegervater nach England.
Durch stete Erbteilung und Erbfolgekriege wechseln die Herrscher und Herrschaftshäuser bis Ende des 15. Jahrhunderts häufig. |
| 1193 | In der ältesten Urkunde des Klosters Berkingehusen (Barsinghausen) wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. |
| um 1200 | Die Gaugrafen besitzen die Gerichte zu Goltern, Seelze und Benthe. |
| 1203 | Bischof Thalmar von Minden und Graf Wedekind VI von Schwalenberg gründen das Kloster Barsinghausen. Mit dem Klosterbesitz war zeitweise das Kirchenpatronat in Goltern verbunden. |
| 13. Jahrhundert | Bau der Kirche im altromanischen Stil, von der heute nur noch der Turm steht. |
| 1292 | Herzog Otto der Strenge erbaut die Burg Calenberg östlich der Leine, ca. 7 km südwestlich von Sarstedt in der Nähe der Ortschaft Schulenburg. |
| 1306-1307 | Heinrich von Goltern ist Erzbischof von Bremen. |
| um 1400 | Die Thielinde beginnt zu wachsen. Jedenfalls wird ihr Alter auf 500 bis 700 Jahre geschätzt, sie könnte auch noch älter sein. Möglicherweise wurden unter ihr die Gerichtstage abgehalten. |
| 1432-73 | Calenberg ist erstmals eigenständiges Fürstentum unter der Hauptlinie des Mittleren Hauses Braunschweig. |
| 1463 | Eingliederung des Fürstentums Gättingen. Das Fürstentum heißt fortan "Calenberg-Göttingen". |
| 15. Jahrhundert | Reformbewegung in der katholischen Kirche
Erfindung der Feuerwaffen |
| 10. November 1483 | Martin Luther wird in Eisleben als zweiter Sohn des Bergmanns Hans Luther geboren. |
| 1492 | Christoph Kolumbus entdeckt Amerika. |
| 1495 | Bei der Erbteilung zwischen Heinrich I und Erich I entschied sich Erich für Calenberg, indem er ihre geographischen Grenzen nannte:
Dat land twischen Deister und Leine, dat is et rechte, dat ik meine. |
| 1497 | In Stemmen, das zum Kirchspiel Großgoltern gehört, wird eine Kapelle errichtet, die bis 1652 von Goltern aus betreut wird. |
| 1500 | Herzog Erich I. wählt die Burg Calenberg zu seiner Residenz. Es gilt damit als Geburtsjahr des Landesbegriffes Calenberg. Die Burg Calenberg wird zu einer modernen Feste ausgebaut, weil Burgen gegen Feuerwaffen kaum mehr Schutz boten. |
| 2. Juli 1505 | Der lebensfrohe Jurastudent Martin Luther gerät bei Stotternheim in ein Gewitter. In seiner Nähe schlägt ein Blitz ein und der Luftdruck wirft ihn zu Boden. Vor Schreck gelobt er: "Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!" |
| 31. Oktober 1517 | Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg, in denen er den Ablasshandel kritisierte. |
| 1519 | Die Hildesheimer Stiftsfehde geht über Calenberg hinweg. |
| 1521 | Martin Luther spricht auf dem Reichstag zu Worms. Erich I hält sein Leben lang am alten Glauben fest, bewundert aber Luthers Mut und schickt ihm eine Kanne Einbecker Bier.
Luther wird auf dem Reichstag von Kaiser Karl V geächtet, erhält aber freies Geleit. Er wird zum Schein überfallen und übersetzt als Junker Jörg das Neue Testament, mit der er die volksnahe, hochdeutsche Sprache prägt. |
| 1533 | Hannover wird im Zuge der Reformation evangelisch, worauf der katholische Rat nach Hildesheim zieht. |
| 1538 | Erichs zweite Frau, Elisabeth von Brandenburg und Herzogin von Calenberg tritt noch zu seinen Lebzeiten offen zum Luthertum über. |
| 26. Juli 1540 | Herzog Erich I stirbt. Sein Sohn Erich II ist erst 12 Jahre alt, seine Mutter Elisabeth übernimmt die Regentschaft. Sie führt die Reformation mit Luthers Schüler und Freund Antonius Corvinus, Prediger zu Witzenhausen, im ganzen Herzogtum Calenberg ein. Der Landtag zu Pattensen bewilligen die Stände des Landes (Ritterschaft, Geistlichkeit und Städte) die neue Lehre. |
| 1542 | Corvinus verfasst die erste Kirchenordnung. |
| 1544 | Herzogin Elisabeth und Sohn Erich besuchen Luther in Wittenberg. |
| 1545 | Erich II wird 17 und gleichzeitig mündig erklärt; er wird Herzog. Er kommt an den glänzenden Hof des katholischen Kaiser Karl V und wird wieder katholisch. Grund dafür ist nicht seine Überzeugung, sondern weil er sich Vorteile davon verspricht. Die Verfolgung von Protestanten und ihrer Prediger setzt ein. Corvinus wird vier Jahre lang im Gefängnis der auf der Burg Calenberg gefangengehalten. Erichs Verschwendungssucht bringt ihn und sein Herzogtum in finanzielle Not. |
| 18. Februar 1546 | Martin Luther stirbt in Eisleben. |
| 23. Mai 1547 | Erich II wird im Schmalkaldischen Krieg bei Drakenburg vernichtend geschlagen. |
| 1553/1555 | Landtag zu Hannover: Die Stände sollen Erichs Schulden übernehmen. Die aber tendieren zum Luthertum. So versprach er, die neue Lehre wieder ungehindert verbreiten zu lassen. Er übertrug die Regierungsgewalt an seine Mutter und reiste in die Niederlande ab. Elisabeth führt abermals die Reformation ein. Corvinus wird begnadigt und mit dem Stift Wunstorf belehnt. |
| 1558 | Herzog Erich II belehnt Rittmeister Ernst von Alten mit den Lehngütern des verstorbenen Erich von Goltern. Wolfgang von Goltern verzichtet als der Letzte seines Geschlechts auf seine möglichen Rechte als Mitbelehnter. |
| 1559 | Herzog Erich II, zeitlebens in Geldnot, leiht sich Geld von Rittmeister Ernst von Alten und überläßt ihm auf Wiederkauf den großen Meierhof zu Goltern, der dem Stift zu Wunstorf gehört. |
| 1568-1572 | Herzog Erich II von Calenberg zettelt in Neustadt Hexenprozesse an, in denen es mehr um finanzielle Dinge als um die Hexen an sich ging.
siehe: "Hexenprozesse in Neustadt a/Rbge" Hubert Brieden u. Heidi Dettinger / Arbeitskreis Regionalgeschichte Neustadt ; ISBN 3-922218-39-9 |
| 8. November 1584 | Erich II stirbt in Pavia in Italien. Thronfolger wird sein Vetter Herzog Julius zu Braunschweig und Wolfenbüttel. |
| Juli 1585 | Calenbergische Musterungsrolle dokumentiert die Untertanen. |
| 1589 | Neuerliche Berufung des Großvogts Conrad Wedemeyer. Er will sich eine genaue Übersicht über die Verhältnisse in dem ihm wieder anvertrauten Gebiet verschaffen. Er beauftragt Amtmann Busse mit der Anfertigung des Calenberger Hausbuchs. Der wiederum delegiert an die Gografen in den einzelnen Gauen. Bisher gab es nur Verzeichnisse und Musterungsrollen der Mannschaften, aber noch keine Höfebeschreibungen. |
| 1592 | Das Calenberger Hausbuch ist fertiggestellt. Es enthält auf Angaben über die zu leistenden Abgaben und Dienste. Für Großgoltern verzeichnet es 5 Meierhöfe, 5 Halbspenner, 24 Köhtere, 1 Kothof der Pfarre, einen freien Krug und 4 kleine Hütten für die Armen auf dem Kirchhof. |
| 1593-1638 | M. Johann Arnoldi ist der erste evangelische Pastor der St.-Blasius-Kirchengemeinde. |
| 1618 | Ein eher unbedeutender Vorfall löst den Dreißigjährigen Krieg aus: der Prager Fenstersturz. |
| 1625 | Beginn des Niedersächsich-Dänischen Krieges als Teil des Dreißigjährigen Krieges.
Auslöser ist der dänische König Christian IV aus dem Hause Oldenburg, der ins Kriegsgeschehen eingreift, um sich eine Machtbasis für den Kampf gegen Schweden um die Ostseeherrschaft zu schaffen. |
| 21. August 1625 | Während eines Gottesdienstes fällt ein Trupp des Kaiserlichen Regiments in Wunstorf ein. Die Bewohner werden misshandelt, die Häuser und Kirche geplündert, Gräber durchwühlt, Tote geschändet. Beim Abzug wurden Ort und Stift in Brand gesteckt und die Felder verwüstet. |
| 30. Oktober 1625 | Der kaiserliche General Johann Tserclaes Graf von Tilly, dem sich später auch Christian IV von Dänemark unterwerfen muß, fällt in Goltern ein. Ein Teil der Bewohner, in der Hauptsache Frauen, Kinder und ältere Männer, die nicht schnell genug aus dem Ort in die Felder und benachbarten Waldungen entfliehen konnten, glaubten, vor der Truppe im Kirchturm Schutz finden zu können. Das Regiment drang in den Kirchturm ein und legte Feuer. Dreiunddreißig Menschen wurden "Todt gebrand", weitere sechs wurden "Auf den Todt beschädigt", d.h. starben später. |
| 1626 | Tilly schlägt die Dänen in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. |
| 1636 | Welfenherzog Georg von Calenberg erklärt Hannover zu seiner Residenz. |
| 1637 | Baubeginn des Leineschlosses in Hannover |
| 1638 | Älteste, heute noch vorhandene Trauregister werden vom neu eingesetzten Pastor Henning Brauns angelegt. |
| 24. Oktober 1648 | Der Westfälische Friede beendet den Dreißigjährigen Krieg.
Die Einwohnerzahl Deutschlands ist von 18 auf 9 Millionen zurückgegangen. Das Bistum Minden wird aufgelöst, das Herzogtum Calenberg bleibt dauerhaft evangelisch. Großgoltern gehört politisch dem Amt Calenberg im Herzogtum Calenberg an. |
| 1648-1665 | Herzog Georg Wilhelm von Hannover (Welfenhaus) setzt während seiner Regentschaft eine neue Verwaltungsgliederung durch. Die ehemalige Großvogtei Calenberg wird in kleinere Ämter aufgeteilt. Großgoltern gehört nun zum Amt Calenberg. |
| 1652 | Stemmen wird durch Herzog Georg Wilhelm zu Braunschwig und Lüneburg eine eigene Pfarre und selbständige Kirche. |
| 1653 | Fünf Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wird eine erste Turmglocke auf dem wieder ausgebauten Turm gehängt. Sie wird im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen werden. |
| 1662 | Unter Pastor Magister Theodorus Sohtmann werden die ältesten, heute noch vorhandenen Tauf- und Begräbnisregister angelegt. |
| 1664 | Aufgrund der Türkengefahr werden zusätzliche Kopfsteuern erhoben, die im Volksmund als Türkensteuer bezeichnet wurde. Weitere Kopfsteuern, allesamt für militärische Bedürfnisse werden 1675, 1678, 1686 und 1689 erhoben. Die Kopfsteuerbeschreibungen bieten eine gute Quelle für die Familienforschung. |
| 1666 | Herzog Johann Friedrich läßt den Großen Garten der Sommerresidenz Herrenhausen anlegen. |
| 1685 | Die heutige Schlagglocke der Turmuhr wird gegossen. Sie wiegt rund 75 kg. |
| 1690 | Die Burg Calenberg wird abgebrochen. Wiederverwendbares Material wurde im Schloss Herrenhausen verwandt. |
| 1692 | Herzog Ernst August erwirbt die neunte Kurwürde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine Gattin Sophie wird 1701 zur Thronfolgerin in Großbritannien erklärt.
Die Weltbevölkerung wird auf rund 320 Millionen Menschen geschätzt. |
| 1714 | Kurfürst Georg Ludwig II besteigt 1714 den englischen Thron als König Georg I von Großbritannien. Damit beginnt die bis 1837 dauernde Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien. |
| 1734 | Die Calenbergische Schulordnung wird erneuert. Schulpflicht erstmals bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. |
| 1750 | Das neue Kirchenschiff im Barockstil wird eingeweiht. |
| 1756-1763 | Siebenjähriger Krieg |
| 1757 | Viele Einwohner Großgolterns sterben an einer Pocken-Epidemie. |
| 7. August 1757 | Drei französische Dragonerregimenter ziehen über den Deister ins Calenberger Land. Hannover wird für sieben Monate besetzt. Das Land leidet unter den Kontributionen und verarmt von Neuem. |
| 1761-1762 | Eine weitere Pocken-Epidemie sucht Großgoltern heim. |
| 1767 | Das Hausverzeichnis der Kirchengemeinde Großgoltern zählt in Großgoltern: 1 Rittergut, 5 Vollmeier, 2 Halbmeier, 3 Höflinge, 25 Kötner, 5 Beibauern, 1 Freistelle, 1 Mühle, 1 Hirtenhaus, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus, 1 Organistenhaus und 1 adeligen Krug. |
| 1775 | Auf der nördlichen Empore der Kirche "sind 9 Stände vor die einquartierten Krieges-Leute angewiesen worden". |
| um 1790 | Die Grabstätten innerhalb der Kirche werden nicht mehr belegt. |
| 5. Juni 1803 | Französische Truppen kommen von Norden und besetzen das Kurfürstentum Hannover und seine Residenzstadt für zwei Jahre. Hannoversche Soldaten fliehen nach England und kämpfen dort in der King's German Legion gegen Napoleon. 1815 tragen sie in der Schlacht bei Waterloo entscheidend zum Sieg über Napoleon bei. |
| 1805 | England, Rußland und Österreich schließen einen Bund gegen Napoleon. |
| September 1805 | Die Franzosen räumen das Kurfüstentum Hannover. |
| Dezember 1805 | Die Russen rücken als Bundesgenossen ein, die die Wirtschaft stark belasten. |
| 1806 | Vertrag von Schönbrunn zwischen Frankreich und Preußen: Preußen übernimmt mit Napoleons Billigung die Verwaltung im Kurfürstentum Hannover, das nun Königlich-Preußisch-Hannoversche Provinz ist. Eine der ersten Maßnahmen: Schützenfeste werden verboten. |
| 1806 | Das Bündnis Frankreich-Preußen ist kurzlebig. Einer der Gründe für den Krieg ist Hannover. Preußen verliert die Gebiete westlich der Elbe. Nun sind wieder die Franzosen mit den Einquartierungen dran. |
| 18. August 1807 | Kaiser Napoleon errichtet für seinen jüngsten Bruder Jérôme das Königreich Westfalen. Kassel wird Regierungssitz. Das Calenberger Land bleibt zunächst unter direkter französischer Herrschaft, sodass die Belastungen hier besonders groß waren. |
| 1810 | Das Calenberger Land wird nun dem Königreich Westfalen zugeschlagen. Neben französischen Geld-, Maß- und Gewichtssystem werden Départements, Distrikte und Kantone sowie das französiche Gesetzbuch, der Code Napoleon eingeführt. |
| 1812 | Napoleon rüstet zum Feldzug gegen Russland. Calenberger werden zum Kriegsdienst verpflichtet. Napoleon selbst dazu:
"Die Franzosen haben keine Ursache, sich über mich zu beklagen. Deutsche und Polen lasse ich totschlagen, um sie [die Franzosen] zu schonen. Auf der Heerfahrt nach Moskau habe ich 300.000 Menschen verloren, aber es waren kaum 30.000 Franzosen dabei." |
| 18. Juni 1815 | Schlacht von Waterloo (Niederlage Napoleons) und Wiener Kongreß. Hannover wird Königreich. |
| 28. Oktober 1817 | Das Amt Calenberg wird durch königliche Verordnung aufgeteilt in die Ämter Calenberg und Wennigsen. Goltern gehört jetzt zum Amt Wennigsen, das jetzt 39 Orte umfasst. Wennigsen wird Sitz eines der 168 Amtsgerichte im Königreich Hannover. |
| 17.09.1830 | Am Freitag, 17. September 1830 wurde abends um 6 Uhr ein Tornado bei Eckerde gesichtet [Quelle], der sich über 45 km bis nach Groß Buchholz und Hänigsen hinzieht. Die Zugrichtung wird mit SWW-NOO angegeben, das Gelände als flach und ländlich genutzt charakterisiert. Sach- oder Personenschäden sind nach dieser Quelle nicht aufgeführt. Dabei bezieht man sich auch auf Augenzeugenberichte, Literatur und Presse. |
| 1835 | Gutsherr Georg von Alten radelt als einer der ersten Radfahrer des Königreichs mit einer Draisine von Großgoltern nach Hannover und zurück. |
| 1837 | König Ernst August besteigt den Thron in Hannover, weil man hier die weibliche Thronfolge nicht kennt. Damit endet die Personalunion zwischen den Königreichen Hannover und Großbritannien. |
| um 1840 | Erfindung der Dampfmaschine und Entstehung der Industrie |
| 8. Oktober 1847 | Genehmigung der Generalteilung der Goltermark wird vom Königliche-Hannnoverschen Landdrosten von Dachhausen genehmigt und bestätigt. |
| 1850 | Fertigstellung des Pfarrhauses mit Küsterwohnung. Architekt ist der "Backsteingotiker" Conrad Wilhelm Hase. Er war Schüler von Laves und hat u.a. die Christuskirche in Hannover und Kirchen in Langenhagen, Markoldendorf, Altenhaben-Hagenburg, Geestemünde und Lauenau gebaut. |
| 1853 | Bildung des Amtes Wennigsen, dem Großgoltern nun angehört. |
| 1859 | Barsinghausen erhält eine Postexpedition. |
| 29. Juni 1866 | Schlacht bei Langensalza: Im sogenannten deutschen Einigungskrieg schließt sich König Georg V von Hannover Österreich und den deutschen Südstaaten an. Hannover unterliegt den Preußen in der Schlacht von Langensalza. Georg flieht vor den einmarschierenden Preußen, die das Königreich besetzen. Im Prager Frieden erhält Preußen Schleswig-Holstein, Kurhessen, Nassau, Frankfurt und Hannover. Das Herzogtum Braunschweig war in diesem Kriege neutral geblieben und blieb darum in seinem alten Bestand erhalten. |
| 1867 | Gründung des Norddeutschen Bundes durch Preußen; Bundesverfassung mit dem allgemeinen und gleichen Reichstagswahlrecht. Nach der neuen Kreisordnung wurde der Kreis Wennigsen mit den Ämtern Wennigsen, Calenberg und Springe sowie mit den selbständigen Städten Pattensen, Eldagsen und Münder eingerichtet. |
| 1870/71 | Im Feldzug gegen Frankreich nehmen sieben Männer aus Großgoltern teil. |
| 1871 | Gründung des Deutschen Reiches |
| 1. Dezember 1871 | Großgoltern zählt 519 Einwohner. |
| 1. Mai 1872 | Bahnstrecke Weetzen-Barsinghausen eröffnet. |
| 1873 | Hannover hat 100.000 Einwohner. |
| 1. Oktober 1874 | Einführung der Standesämter in Preußen. Damit verlieren die Kirchenbücher ihre Bedeutung als einzige Personenstandsregister. |
| 1. Dezember 1880 | Großgoltern zählt 496 Einwohner. |
| 1. Dezember 1885 | Mit der preußischen Kreisordnung für Hannover wurde u. a. der Kreis Wennigsen dem Landkreis Linden zugeordnet. Letzterer war mit 53.000 Einwohnern der größte Landkreis in der "Region Hannover".
Großgoltern zählt 521 Einwohner. |
| 1885 | Die Ämter Wennigsen und Linden werden zum Landkreis Linden vereinigt. Linden, bisher mit 25.570 Einwohnern größtes Dorf Preußens, bekommt das Stadtrecht. |
| 1896 | Ein neuer Friedhof wird eingeweiht. Der Kirchhof wird nicht mehr belegt. |
| 1899 | Die Hannoversche Straßenbahnlinie 10 wird über Leveste bis nach Barsinghausen verlängert. |
| 15. Juni 1907 | Der Untergrund der Feldmarken von Großgoltern, Landringhausen und Barrigsen wird an den Bergfiskus verkauft. |
| 1908 | Die Friedhofskapelle wird eingeweiht. |
| 1909 | Limmer, Davenstedt, Badenstedt und Bornum werden zur Stadt Linden eingemeindet. |
| 1913 | Ricklingen wird zur Stadt Linden eingemeindet. |
| 1914-1918 | Erster Weltkrieg |
| 15. August 1914 | Der großgolterner Lehrer Heinrich Rohrsen findet als erster den Heldentod. |
| 1918 | Hannover bleibt Bestandteil des preußischen Staates in der Weimarer Republik. |
| 1920 | Die Städte Hannover und Linden werden vereinigt. Die neue Stadt Hannover hat rund 400.000 Einwohner. |
| 12. Juli 1931 | Zur Feierstunde des 750-jährigen Bestehens der Kirche wird das Laienschauspiel "Die Toten von Goltern" von Pastor Otto Oeters aufgeführt. Nördlich der Kirche wird eine Linde angepflanzt. |
| 1932 | Durch Zusammenlegung der Kreise Linden und Hannover wird der neue Landkreis Hannover geschaffen, dessen Strukturen weitgehend bis 1974 gültig waren. |
| 16. Juni 1933 | Die Wohnbevölkerung gemäß Volkszählung beträgt 392 Einwohner in Großgoltern, 347 in Nordgoltern, 272 Einwohner in Eckerde und 4.857 in Barsinghausen. |
| 1934-1937 | Der Maschsee in Hannover wird angelegt. |
| Anfang April 1945 (?) | Amerikanische Truppen ziehen ein. In Hannover leben noch 217.000 Menschen gegenüber 470.000 Menschen vor dem Kriege. |
| 8. Mai 1945 | Kapitulation in Berlin-Karlshorst |
| Sommer 1945 | Die britische Militärverwaltung zieht als Besatzungsmacht ein. |
| 23. November 1946 | Gründung des Landes Niedersachsen, Hannover wird Landeshauptstadt. |
| 1. Januar 1947 | Bizone: Zusammenschluß der amerikanischen und britischen Besatzungszonen zu einem vereinigten Wirtschaftsgebiet |
| 20. Juni 1948 | Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen |
| 8. April 1949 | Trizone: Anschluß der französischen Besatzungszonen an die Bizone zu einem vereinigten Wirtschaftsgebiet |
| 7. September 1949 | Konstituierende Sitzung des ersten Deutschen Bundestages in Bonn |
| 1956 | Der Steinkohleabbau in Barsinghausen, mit dem auch zahlreiche Golterner Einwohner beschäftigt sind, wird eingestellt. |
| 1. Juli 1969 | Die ehemals selbständigen Gemeinden Eckerde, Göxe, Großgoltern, Nordgoltern und Stemmen verschmelzen zur Gemeinde Goltern. Wilhelm Kruse ist Bürgermeister und Ratsvorsitzender. Zeitgleich (?) vereinigen sich die Gemeinden Barsinghausen, Kirchdorf und Egestorf verschmelzen zur Gemeinde Barsinghausen sowie Hohenbostel, Winninghausen, Wichtringhausen und Bantorf zur Einheitsgemeinde Hohenbostel. |
| 21. August 1969 | Die Gemeinde Barsinghausen erhält das Stadtrecht. |
| 1. März 1974 | Durch das Hannover-Gesetz wird die Gemeinde Goltern wird nach Barsinghausen eingemeindet. Die Stadt Barsinghausen umfaßt nun neun ehemals selbständige Gemeinden mit 18 Ortsteilen auf einer Fläche von 103 km². |
| um 1980 | Großgoltern zählt rund 700 Einwohner. |
| Juni 1981 | Die Kirchengemeinde feiert ihr 750-jähriges Bestehen. |
| um 1998 | Großgoltern zählt über 1.000 Einwohner. Grund dafür ist das Neubaugebiet in der nun verlängerten Wilhelm-Kruse-Straße. Die Stadt Barsinghausen hat insgesamt rund 36.000 Einwohner. |
| 1. November 2001 | Der Landkreis Hannover wird aufgelöst und unter Einbeziehung der bisher kreisfreien Landeshauptstadt Hannover zur Region Hannover, einer in Deutschland neuartigen Gebietskörperschaft. |
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