Kirchturm der ev.-luth. 

St. Blasius-Kirche zu Großgoltern 

© 1983-2001 Henning RehrenGroßgoltern
von Henning Rehren


 

Zeittafel

Geschichtsunterricht ist meistens trocken und hat nicht immer Bezug zur unmittelbaren Umgebung. Während Griechen und Römer ihr Gemeinwesen aufbauten, war es hier in der Norddeutschen Tiefebene weit weniger interessant. Die folgende Tabelle soll einen ungefähren Überblick über die Entwicklung dieser Gegend und Großgolterns geben, ohne jedoch den Blick auf die Weltgeschichte zu verlieren.

Vielen Dank an Heinz-Chr. Meier für seine "Chronik der ev.-luth. Kirchengemeinde Großgoltern - Nordgoltern - Eckerde 1181 - 1981". Viele der Daten sind diesem Werk entnommen, das er anläßlich der 800-Jahr-Feier im Jahr 1981 zusammengetragen und bearbeitet hat.

12.000 v.Chr. Goltern liegt unter den Gletschern der letzten Eiszeit, die die gesamte Norddeutsche Tiefebene bis nach Einbeck bedeckten.
Prähistorie Bereits in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit ist die Gegend besiedelt. Das wird durch zahlreiche Funde wie Hügelgräber und Steinbeile bestätigt.
12 v.Chr. Augustus wird römischer Kaiser.
7 v.Chr. Nach neuester Geschichtsschreibung wäre die Geburt Jesu Christi auf das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung zu legen.
Der altgermanische Stamm der Cherusker beherrscht das Gebiet nördlich des Harzes zwischen Weser und Elbe. Deren Nachbarn und Verbündete sind die Angrivarier (auch: Engern), die beidseitig der mittleren Weser ansässig sind.
Der Hellweg vor dem Sandforde führt von Minden über die Bückeberge, Bad Nenndorf, Großgoltern, Leveste, Gehrden, die Marienburg und Hildeheim zur Elbe.
Möglicherweise gab es hier in Goltern schon eine heidnische Kultstätte, denn die ersten christlichen Missionare haben ihre Kirchen an solchen Stellen gebaut.
Die Weltbevölkerung umfaßt ca. 160 Millionen Menschen.
4 n.Chr. Die Cherusker schließen mit Tiberius einen Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrag. Die Söhne des Cheruskerfürsten Segimer, Arminius und Flavus, gehen als Heerführer germanischer Hilfstruppen in römischen Dienst.
9 n.Chr. Im Teutoburger Wald findet die berühmte gleichnamige Schlacht statt zwischen Arminius ("Hermann der Cherusker", * -17, ermordet +21) und den 3 Legionen des Publius Quinctilius Varus (der, wie eine stattliche Zahl seiner Offiziere auch, nach der Niederlage Selbstmord begeht); damit kommt der römische Vormarsch in Germanien zum Stehen. Der ursprüngliche Plan Roms, die Grenzen bis an die Elbe zu verkürzen (und damit die Gesamtlänge der zu schützenden Grenzlinie drastisch zu reduzieren), muß aufgegeben werden.
19. August 14 Kaiser Augustus stirbt.
1. Jahrhundert Die Cherusker werden von den Chatten unterworfen. Die Chatten waren ein bedeutender Volksstamm zwischen Eder, Fulda und Schwalm. Wahrscheinlich gingen beide später im sächsischen Stammesverband auf. Die Chatten werden 203 letztmalig erwähnt.
2. Jahrhundert Die Altsachsen sind im südlichen Holstein und westlichen Mecklenburg ansässig.
316 Enthauptung von Blasius, Bischof von Sebaste in Armenien (heute: Siwas). Er ist der Namenspatron der Kirche.
um 450 Um 450 übertreten die Altsachsen die Elbe und setzen sogar nach England über.
Die germanischen Stämme der Angrivarier und Cherusker schlossen sich den Sachsen freiwillig und unter Beibehaltung des eigenen Rechts an.
Nach geographischen Gesichtspunkten gab es die sächsischen Stammesgruppen der
  • Engern (beidseitig der mittleren Weser),
  • Westfalen (zwischen Ems und Hunte),
  • Ostfalen (zwischen Weser, Lüneburger Heide, Elbe und Harz) und
  • Nordalbinger (nördlich der Niederelbe, also Dithmarschen, Holsten, Stormarn).
Jede dieser Stammesgruppen bildete ein Herzogtum, die wiederum in Gaue aufgeteilt waren. Zum Herzogtum Engern gehörte auch der Marstemgau, der sich zwischen Deister, Leine und Steinhuder Meer erstreckte. Östlich daran schloß sich das Herzogtum Ostfalen an.
Die Sachsen waren alle frei in der Rechtsausübung. Nur in unruhigen Zeiten wurde ein Herzog gewählt.
531 Frankenkönig Theoderich unternimmt einen Feldzug gegen seinen Schwager König Irminfried von Thüringen. In diesem Zusammenhang wird Ronnenberg erstmalig erwähnt.
8. Jahrhundert Die einzige Quelle für das Stammesleben der Sachsen im 8.Jahrhundert ist die "Vita Lebuini antiqua". Der Möch Lebuin bemühte sich zusammen mit seinem Gefährten Marchelm, die Sachsen zu missionieren. Die hierzu erfolgten Ausführungen Lebuins lauten in der Übersetzung:
Lebuin ging hin und wieder nach Sachsen, bemüht, Menschen für Christus zu gewinnen und bekehrte viele zum Glauben an Christus. Er hatte auch Freunde und Vertraute unter den Vornehmen, darunter war ein reicher Mann im pagus Sudergo, namens Folcbraht... Einen König hatten die alten Sachsen nicht, sondern Statthalter (satrapae) in den Gauen. Auch war es Sitte, daß sie einmal im Jahr mitten im Sachsenland eine allgemeine Versammlung an der Weser bei dem Ort, der Marclo heißt, abhielten. Dort kamen gewöhnlich alle Statthalter zusammen, sowie aus den einzelnen Gauen 12 auserwählte Adlige und ebensoviel Freie und ebensoviel Liten. Sie erneuerten dort ihre Gesetze, fanden das Urteil in wichtigen Rechtsfällen und beschlossen, was sie während des Jahres an Kriegs- und Friedensunternehmungen durchführen wollten, in gemeinsamer Beratung.
Dieser Ort könnte Lohe bei Nienburg gewesen sein, wie die Nationalsozialisten glaubten und ihn deshalb in Marklohe umbenannten. (?) Der Heimatforscher Konrad Wiebking geht jedoch davon aus, dass es sich um die Ortschaft Wasserstraße handelt, die heute zur Stadt Petershagen gehört.
772 König Karl der Große beginnt die gut 30 Jahre andauernden Sachsenkriege, um sie zu christianisieren und dauerhaft in seinem Reich einzugliedern.
782 Sachsenherzog Wittekind erzielt seinen letzten großen Sieg über die Franken im Süntel. Später wird sich Karl der Große in Verden dafür rächen und läßt an einem Tag 4.500 Sachsen enthaupten.
785 Sachsenherzog Wittekind unterwirft sich und läßt sich taufen.
798 Karl der Große hält ein Heerlager in Minden ab.
Weihnachten 800 Kaiserkrönung in Aachen: Karl der Große läßt sich zum Kaiser krönen.
804 Der Widerstand der Sachsen ist endgültig zu Ende. Die Gegend ist verödet und fast entvölkert. Außerdem wurden viele Zwangsumsiedlungen durchgeführt, Edelhöfe werden den Franken übertragen.
Das Recht der Selbstverwaltung wird aufgehoben, die alte sächsische Gauverfassung mit ihrer freien Volkswahl wird ausser Kraft gesetzt. Stattdessen wird die fränkische Grafschaftsverfassung eingeführt.
Karl der Große ernennt einen Herzog für Sachsen und Gaugrafen für die vier ehemaligen sächsischen Herzogtümer.
30. Juni 892 Kirchdorf wird erstmals urkundlich erwähnt. Das ist die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung im Gebiet der späteren Stadt Barsinghausen.
Die Weltbevölkerung beträgt ca. 320 Millionen Menschen.
10./11. Jahrhundert Die Billunger sind gleichzeitig Herzöge für Sachsen und Gaugrafen im Marstemgau.
1148 Der sächsische Herzog Heinrich der Löwe aus dem Welfenhaus siedelt und missioniert im Osten, war bereits in Mecklenburg und Pommern und erwirbt nun auch Lübeck, das Bischofssitz wird.
1158 Älteste urkundliche Erwähnung des Namens Goltern: Es geht um die Abführung des Zehnten an Herzog Heinrich den Jüngeren von Bayern und Sachsen.
Die Schreibweise ist "Golturne".
29. Dezember 1181 Älteste urkundliche Erwähnung der Kirche zu Goltern:
Bischof Anno zu Minden schlichtet in Wunstorf einen Streit über die Unterwürfigkeit der zum Stifte Wunstorf gehörigen Pfarrgeistlichen zu Goltern und Nenstede. Synoden daselbst und deren Kostenbestreitung zwischen dem Domscholaster und Achidiakon der Wunstorfer Kirche Hermann und der Äbtissin Oda.
1182 Aufgrund seiner häufigen Übergriffe lud Kaiser Friedrich Barbarossa (Staufer) Heinrich den Löwen vor sein Hofgericht. Heinrich erscheint nicht und wird deshalb geächtet, verliert seine Erwerbungen und behält nur sein Familiengut Braunschweig und Lüneburg. Damit wird das Herzogtum Sachsen geteilt. Heinrich geht in die Verbannung zu seinem Schwiegervater nach England.
Durch stete Erbteilung und Erbfolgekriege wechseln die Herrscher und Herrschaftshäuser bis Ende des 15. Jahrhunderts häufig.
1193 In der ältesten Urkunde des Klosters Berkingehusen (Barsinghausen) wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt.
um 1200 Die Gaugrafen besitzen die Gerichte zu Goltern, Seelze und Benthe.
1203 Bischof Thalmar von Minden und Graf Wedekind VI von Schwalenberg gründen das Kloster Barsinghausen. Mit dem Klosterbesitz war zeitweise das Kirchenpatronat in Goltern verbunden.
13. Jahrhundert Bau der Kirche im altromanischen Stil, von der heute nur noch der Turm steht.
1292 Herzog Otto der Strenge erbaut die Burg Calenberg östlich der Leine, ca. 7 km südwestlich von Sarstedt in der Nähe der Ortschaft Schulenburg.
1306-1307 Heinrich von Goltern ist Erzbischof von Bremen.
um 1400 Die Thielinde beginnt zu wachsen. Jedenfalls wird ihr Alter auf 500 bis 700 Jahre geschätzt, sie könnte auch noch älter sein. Möglicherweise wurden unter ihr die Gerichtstage abgehalten.
1432-73 Calenberg ist erstmals eigenständiges Fürstentum unter der Hauptlinie des Mittleren Hauses Braunschweig.
1463 Eingliederung des Fürstentums Gättingen. Das Fürstentum heißt fortan "Calenberg-Göttingen".
15. Jahrhundert Reformbewegung in der katholischen Kirche
Erfindung der Feuerwaffen
10. November 1483 Martin Luther wird in Eisleben als zweiter Sohn des Bergmanns Hans Luther geboren.
1492 Christoph Kolumbus entdeckt Amerika.
1495 Bei der Erbteilung zwischen Heinrich I und Erich I entschied sich Erich für Calenberg, indem er ihre geographischen Grenzen nannte:
Dat land twischen Deister und Leine, dat is et rechte, dat ik meine.
1497 In Stemmen, das zum Kirchspiel Großgoltern gehört, wird eine Kapelle errichtet, die bis 1652 von Goltern aus betreut wird.
1500 Herzog Erich I. wählt die Burg Calenberg zu seiner Residenz. Es gilt damit als Geburtsjahr des Landesbegriffes Calenberg. Die Burg Calenberg wird zu einer modernen Feste ausgebaut, weil Burgen gegen Feuerwaffen kaum mehr Schutz boten.
2. Juli 1505 Der lebensfrohe Jurastudent Martin Luther gerät bei Stotternheim in ein Gewitter. In seiner Nähe schlägt ein Blitz ein und der Luftdruck wirft ihn zu Boden. Vor Schreck gelobt er: "Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!"
31. Oktober 1517 Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg, in denen er den Ablasshandel kritisierte.
1519 Die Hildesheimer Stiftsfehde geht über Calenberg hinweg.
1521 Martin Luther spricht auf dem Reichstag zu Worms. Erich I hält sein Leben lang am alten Glauben fest, bewundert aber Luthers Mut und schickt ihm eine Kanne Einbecker Bier.
Luther wird auf dem Reichstag von Kaiser Karl V geächtet, erhält aber freies Geleit. Er wird zum Schein überfallen und übersetzt als Junker Jörg das Neue Testament, mit der er die volksnahe, hochdeutsche Sprache prägt.
1533 Hannover wird im Zuge der Reformation evangelisch, worauf der katholische Rat nach Hildesheim zieht.
1538 Erichs zweite Frau, Elisabeth von Brandenburg und Herzogin von Calenberg tritt noch zu seinen Lebzeiten offen zum Luthertum über.
26. Juli 1540 Herzog Erich I stirbt. Sein Sohn Erich II ist erst 12 Jahre alt, seine Mutter Elisabeth übernimmt die Regentschaft. Sie führt die Reformation mit Luthers Schüler und Freund Antonius Corvinus, Prediger zu Witzenhausen, im ganzen Herzogtum Calenberg ein. Der Landtag zu Pattensen bewilligen die Stände des Landes (Ritterschaft, Geistlichkeit und Städte) die neue Lehre.
1542 Corvinus verfasst die erste Kirchenordnung.
1544 Herzogin Elisabeth und Sohn Erich besuchen Luther in Wittenberg.
1545 Erich II wird 17 und gleichzeitig mündig erklärt; er wird Herzog. Er kommt an den glänzenden Hof des katholischen Kaiser Karl V und wird wieder katholisch. Grund dafür ist nicht seine Überzeugung, sondern weil er sich Vorteile davon verspricht. Die Verfolgung von Protestanten und ihrer Prediger setzt ein. Corvinus wird vier Jahre lang im Gefängnis der auf der Burg Calenberg gefangengehalten. Erichs Verschwendungssucht bringt ihn und sein Herzogtum in finanzielle Not.
18. Februar 1546 Martin Luther stirbt in Eisleben.
23. Mai 1547 Erich II wird im Schmalkaldischen Krieg bei Drakenburg vernichtend geschlagen.
1553/1555 Landtag zu Hannover: Die Stände sollen Erichs Schulden übernehmen. Die aber tendieren zum Luthertum. So versprach er, die neue Lehre wieder ungehindert verbreiten zu lassen. Er übertrug die Regierungsgewalt an seine Mutter und reiste in die Niederlande ab. Elisabeth führt abermals die Reformation ein. Corvinus wird begnadigt und mit dem Stift Wunstorf belehnt.
1558 Herzog Erich II belehnt Rittmeister Ernst von Alten mit den Lehngütern des verstorbenen Erich von Goltern. Wolfgang von Goltern verzichtet als der Letzte seines Geschlechts auf seine möglichen Rechte als Mitbelehnter.
1559 Herzog Erich II, zeitlebens in Geldnot, leiht sich Geld von Rittmeister Ernst von Alten und überläßt ihm auf Wiederkauf den großen Meierhof zu Goltern, der dem Stift zu Wunstorf gehört.
1568-1572 Herzog Erich II von Calenberg zettelt in Neustadt Hexenprozesse an, in denen es mehr um finanzielle Dinge als um die Hexen an sich ging.
siehe: "Hexenprozesse in Neustadt a/Rbge" Hubert Brieden u. Heidi Dettinger / Arbeitskreis Regionalgeschichte Neustadt ; ISBN 3-922218-39-9
8. November 1584 Erich II stirbt in Pavia in Italien. Thronfolger wird sein Vetter Herzog Julius zu Braunschweig und Wolfenbüttel.
Juli 1585 Calenbergische Musterungsrolle dokumentiert die Untertanen.
1589 Neuerliche Berufung des Großvogts Conrad Wedemeyer. Er will sich eine genaue Übersicht über die Verhältnisse in dem ihm wieder anvertrauten Gebiet verschaffen. Er beauftragt Amtmann Busse mit der Anfertigung des Calenberger Hausbuchs. Der wiederum delegiert an die Gografen in den einzelnen Gauen. Bisher gab es nur Verzeichnisse und Musterungsrollen der Mannschaften, aber noch keine Höfebeschreibungen.
1592 Das Calenberger Hausbuch ist fertiggestellt. Es enthält auf Angaben über die zu leistenden Abgaben und Dienste. Für Großgoltern verzeichnet es 5 Meierhöfe, 5 Halbspenner, 24 Köhtere, 1 Kothof der Pfarre, einen freien Krug und 4 kleine Hütten für die Armen auf dem Kirchhof.
1593-1638 M. Johann Arnoldi ist der erste evangelische Pastor der St.-Blasius-Kirchengemeinde.
1618 Ein eher unbedeutender Vorfall löst den Dreißigjährigen Krieg aus: der Prager Fenstersturz.
1625 Beginn des Niedersächsich-Dänischen Krieges als Teil des Dreißigjährigen Krieges.
Auslöser ist der dänische König Christian IV aus dem Hause Oldenburg, der ins Kriegsgeschehen eingreift, um sich eine Machtbasis für den Kampf gegen Schweden um die Ostseeherrschaft zu schaffen.
21. August 1625 Während eines Gottesdienstes fällt ein Trupp des Kaiserlichen Regiments in Wunstorf ein. Die Bewohner werden misshandelt, die Häuser und Kirche geplündert, Gräber durchwühlt, Tote geschändet. Beim Abzug wurden Ort und Stift in Brand gesteckt und die Felder verwüstet.
30. Oktober 1625 Der kaiserliche General Johann Tserclaes Graf von Tilly, dem sich später auch Christian IV von Dänemark unterwerfen muß, fällt in Goltern ein. Ein Teil der Bewohner, in der Hauptsache Frauen, Kinder und ältere Männer, die nicht schnell genug aus dem Ort in die Felder und benachbarten Waldungen entfliehen konnten, glaubten, vor der Truppe im Kirchturm Schutz finden zu können. Das Regiment drang in den Kirchturm ein und legte Feuer. Dreiunddreißig Menschen wurden "Todt gebrand", weitere sechs wurden "Auf den Todt beschädigt", d.h. starben später.
1626 Tilly schlägt die Dänen in der Schlacht bei Lutter am Barenberge.
1636 Welfenherzog Georg von Calenberg erklärt Hannover zu seiner Residenz.
1637 Baubeginn des Leineschlosses in Hannover
1638 Älteste, heute noch vorhandene Trauregister werden vom neu eingesetzten Pastor Henning Brauns angelegt.
24. Oktober 1648 Der Westfälische Friede beendet den Dreißigjährigen Krieg.
Die Einwohnerzahl Deutschlands ist von 18 auf 9 Millionen zurückgegangen.
Das Bistum Minden wird aufgelöst, das Herzogtum Calenberg bleibt dauerhaft evangelisch. Großgoltern gehört politisch dem Amt Calenberg im Herzogtum Calenberg an.
1648-1665 Herzog Georg Wilhelm von Hannover (Welfenhaus) setzt während seiner Regentschaft eine neue Verwaltungsgliederung durch. Die ehemalige Großvogtei Calenberg wird in kleinere Ämter aufgeteilt. Großgoltern gehört nun zum Amt Calenberg.
1652 Stemmen wird durch Herzog Georg Wilhelm zu Braunschwig und Lüneburg eine eigene Pfarre und selbständige Kirche.
1653 Fünf Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wird eine erste Turmglocke auf dem wieder ausgebauten Turm gehängt. Sie wird im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen werden.
1662 Unter Pastor Magister Theodorus Sohtmann werden die ältesten, heute noch vorhandenen Tauf- und Begräbnisregister angelegt.
1664 Aufgrund der Türkengefahr werden zusätzliche Kopfsteuern erhoben, die im Volksmund als Türkensteuer bezeichnet wurde. Weitere Kopfsteuern, allesamt für militärische Bedürfnisse werden 1675, 1678, 1686 und 1689 erhoben. Die Kopfsteuerbeschreibungen bieten eine gute Quelle für die Familienforschung.
1666 Herzog Johann Friedrich läßt den Großen Garten der Sommerresidenz Herrenhausen anlegen.
1685 Die heutige Schlagglocke der Turmuhr wird gegossen. Sie wiegt rund 75 kg.
1690 Die Burg Calenberg wird abgebrochen. Wiederverwendbares Material wurde im Schloss Herrenhausen verwandt.
1692 Herzog Ernst August erwirbt die neunte Kurwürde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine Gattin Sophie wird 1701 zur Thronfolgerin in Großbritannien erklärt.
Die Weltbevölkerung wird auf rund 320 Millionen Menschen geschätzt.
1714 Kurfürst Georg Ludwig II besteigt 1714 den englischen Thron als König Georg I von Großbritannien. Damit beginnt die bis 1837 dauernde Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien.
1734 Die Calenbergische Schulordnung wird erneuert. Schulpflicht erstmals bis zum vollendeten 14. Lebensjahr.
1750 Das neue Kirchenschiff im Barockstil wird eingeweiht.
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1757 Viele Einwohner Großgolterns sterben an einer Pocken-Epidemie.
7. August 1757 Drei französische Dragonerregimenter ziehen über den Deister ins Calenberger Land. Hannover wird für sieben Monate besetzt. Das Land leidet unter den Kontributionen und verarmt von Neuem.
1761-1762 Eine weitere Pocken-Epidemie sucht Großgoltern heim.
1767 Das Hausverzeichnis der Kirchengemeinde Großgoltern zählt in Großgoltern: 1 Rittergut, 5 Vollmeier, 2 Halbmeier, 3 Höflinge, 25 Kötner, 5 Beibauern, 1 Freistelle, 1 Mühle, 1 Hirtenhaus, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus, 1 Organistenhaus und 1 adeligen Krug.
1775 Auf der nördlichen Empore der Kirche "sind 9 Stände vor die einquartierten Krieges-Leute angewiesen worden".
um 1790 Die Grabstätten innerhalb der Kirche werden nicht mehr belegt.
5. Juni 1803 Französische Truppen kommen von Norden und besetzen das Kurfürstentum Hannover und seine Residenzstadt für zwei Jahre. Hannoversche Soldaten fliehen nach England und kämpfen dort in der King's German Legion gegen Napoleon. 1815 tragen sie in der Schlacht bei Waterloo entscheidend zum Sieg über Napoleon bei.
1805 England, Rußland und Österreich schließen einen Bund gegen Napoleon.
September 1805 Die Franzosen räumen das Kurfüstentum Hannover.
Dezember 1805 Die Russen rücken als Bundesgenossen ein, die die Wirtschaft stark belasten.
1806 Vertrag von Schönbrunn zwischen Frankreich und Preußen: Preußen übernimmt mit Napoleons Billigung die Verwaltung im Kurfürstentum Hannover, das nun Königlich-Preußisch-Hannoversche Provinz ist. Eine der ersten Maßnahmen: Schützenfeste werden verboten.
1806 Das Bündnis Frankreich-Preußen ist kurzlebig. Einer der Gründe für den Krieg ist Hannover. Preußen verliert die Gebiete westlich der Elbe. Nun sind wieder die Franzosen mit den Einquartierungen dran.
18. August 1807 Kaiser Napoleon errichtet für seinen jüngsten Bruder Jérôme das Königreich Westfalen. Kassel wird Regierungssitz. Das Calenberger Land bleibt zunächst unter direkter französischer Herrschaft, sodass die Belastungen hier besonders groß waren.
1810 Das Calenberger Land wird nun dem Königreich Westfalen zugeschlagen. Neben französischen Geld-, Maß- und Gewichtssystem werden Départements, Distrikte und Kantone sowie das französiche Gesetzbuch, der Code Napoleon eingeführt.
1812 Napoleon rüstet zum Feldzug gegen Russland. Calenberger werden zum Kriegsdienst verpflichtet. Napoleon selbst dazu:
"Die Franzosen haben keine Ursache, sich über mich zu beklagen. Deutsche und Polen lasse ich totschlagen, um sie [die Franzosen] zu schonen. Auf der Heerfahrt nach Moskau habe ich 300.000 Menschen verloren, aber es waren kaum 30.000 Franzosen dabei."
18. Juni 1815 Schlacht von Waterloo (Niederlage Napoleons) und Wiener Kongreß. Hannover wird Königreich.
28. Oktober 1817 Das Amt Calenberg wird durch königliche Verordnung aufgeteilt in die Ämter Calenberg und Wennigsen. Goltern gehört jetzt zum Amt Wennigsen, das jetzt 39 Orte umfasst. Wennigsen wird Sitz eines der 168 Amtsgerichte im Königreich Hannover.
17.09.1830 Am Freitag, 17. September 1830 wurde abends um 6 Uhr ein Tornado bei Eckerde gesichtet [Quelle], der sich über 45 km bis nach Groß Buchholz und Hänigsen hinzieht. Die Zugrichtung wird mit SWW-NOO angegeben, das Gelände als flach und ländlich genutzt charakterisiert. Sach- oder Personenschäden sind nach dieser Quelle nicht aufgeführt. Dabei bezieht man sich auch auf Augenzeugenberichte, Literatur und Presse.
1835 Gutsherr Georg von Alten radelt als einer der ersten Radfahrer des Königreichs mit einer Draisine von Großgoltern nach Hannover und zurück.
1837 König Ernst August besteigt den Thron in Hannover, weil man hier die weibliche Thronfolge nicht kennt. Damit endet die Personalunion zwischen den Königreichen Hannover und Großbritannien.
um 1840 Erfindung der Dampfmaschine und Entstehung der Industrie
8. Oktober 1847 Genehmigung der Generalteilung der Goltermark wird vom Königliche-Hannnoverschen Landdrosten von Dachhausen genehmigt und bestätigt.
1850 Fertigstellung des Pfarrhauses mit Küsterwohnung. Architekt ist der "Backsteingotiker" Conrad Wilhelm Hase. Er war Schüler von Laves und hat u.a. die Christuskirche in Hannover und Kirchen in Langenhagen, Markoldendorf, Altenhaben-Hagenburg, Geestemünde und Lauenau gebaut.
1853 Bildung des Amtes Wennigsen, dem Großgoltern nun angehört.
1859 Barsinghausen erhält eine Postexpedition.
29. Juni 1866 Schlacht bei Langensalza: Im sogenannten deutschen Einigungskrieg schließt sich König Georg V von Hannover Österreich und den deutschen Südstaaten an. Hannover unterliegt den Preußen in der Schlacht von Langensalza. Georg flieht vor den einmarschierenden Preußen, die das Königreich besetzen. Im Prager Frieden erhält Preußen Schleswig-Holstein, Kurhessen, Nassau, Frankfurt und Hannover. Das Herzogtum Braunschweig war in diesem Kriege neutral geblieben und blieb darum in seinem alten Bestand erhalten.
1867 Gründung des Norddeutschen Bundes durch Preußen; Bundesverfassung mit dem allgemeinen und gleichen Reichstagswahlrecht.
Nach der neuen Kreisordnung wurde der Kreis Wennigsen mit den Ämtern Wennigsen, Calenberg und Springe sowie mit den selbständigen Städten Pattensen, Eldagsen und Münder eingerichtet.
1870/71 Im Feldzug gegen Frankreich nehmen sieben Männer aus Großgoltern teil.
1871 Gründung des Deutschen Reiches
1. Dezember 1871 Großgoltern zählt 519 Einwohner.
1. Mai 1872 Bahnstrecke Weetzen-Barsinghausen eröffnet.
1873 Hannover hat 100.000 Einwohner.
1. Oktober 1874 Einführung der Standesämter in Preußen. Damit verlieren die Kirchenbücher ihre Bedeutung als einzige Personenstandsregister.
1. Dezember 1880 Großgoltern zählt 496 Einwohner.
1. Dezember 1885 Mit der preußischen Kreisordnung für Hannover wurde u. a. der Kreis Wennigsen dem Landkreis Linden zugeordnet. Letzterer war mit 53.000 Einwohnern der größte Landkreis in der "Region Hannover".
Großgoltern zählt 521 Einwohner.
1885 Die Ämter Wennigsen und Linden werden zum Landkreis Linden vereinigt. Linden, bisher mit 25.570 Einwohnern größtes Dorf Preußens, bekommt das Stadtrecht.
1896 Ein neuer Friedhof wird eingeweiht. Der Kirchhof wird nicht mehr belegt.
1899 Die Hannoversche Straßenbahnlinie 10 wird über Leveste bis nach Barsinghausen verlängert.
15. Juni 1907 Der Untergrund der Feldmarken von Großgoltern, Landringhausen und Barrigsen wird an den Bergfiskus verkauft.
1908 Die Friedhofskapelle wird eingeweiht.
1909 Limmer, Davenstedt, Badenstedt und Bornum werden zur Stadt Linden eingemeindet.
1913 Ricklingen wird zur Stadt Linden eingemeindet.
1914-1918 Erster Weltkrieg
15. August 1914 Der großgolterner Lehrer Heinrich Rohrsen findet als erster den Heldentod.
1918 Hannover bleibt Bestandteil des preußischen Staates in der Weimarer Republik.
1920 Die Städte Hannover und Linden werden vereinigt. Die neue Stadt Hannover hat rund 400.000 Einwohner.
12. Juli 1931 Zur Feierstunde des 750-jährigen Bestehens der Kirche wird das Laienschauspiel "Die Toten von Goltern" von Pastor Otto Oeters aufgeführt. Nördlich der Kirche wird eine Linde angepflanzt.
1932 Durch Zusammenlegung der Kreise Linden und Hannover wird der neue Landkreis Hannover geschaffen, dessen Strukturen weitgehend bis 1974 gültig waren.
16. Juni 1933 Die Wohnbevölkerung gemäß Volkszählung beträgt 392 Einwohner in Großgoltern, 347 in Nordgoltern, 272 Einwohner in Eckerde und 4.857 in Barsinghausen.
1934-1937 Der Maschsee in Hannover wird angelegt.
Anfang April 1945 (?) Amerikanische Truppen ziehen ein. In Hannover leben noch 217.000 Menschen gegenüber 470.000 Menschen vor dem Kriege.
8. Mai 1945 Kapitulation in Berlin-Karlshorst
Sommer 1945 Die britische Militärverwaltung zieht als Besatzungsmacht ein.
23. November 1946 Gründung des Landes Niedersachsen, Hannover wird Landeshauptstadt.
1. Januar 1947 Bizone: Zusammenschluß der amerikanischen und britischen Besatzungszonen zu einem vereinigten Wirtschaftsgebiet
20. Juni 1948 Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen
8. April 1949 Trizone: Anschluß der französischen Besatzungszonen an die Bizone zu einem vereinigten Wirtschaftsgebiet
7. September 1949 Konstituierende Sitzung des ersten Deutschen Bundestages in Bonn
1956 Der Steinkohleabbau in Barsinghausen, mit dem auch zahlreiche Golterner Einwohner beschäftigt sind, wird eingestellt.
1. Juli 1969 Die ehemals selbständigen Gemeinden Eckerde, Göxe, Großgoltern, Nordgoltern und Stemmen verschmelzen zur Gemeinde Goltern. Wilhelm Kruse ist Bürgermeister und Ratsvorsitzender. Zeitgleich (?) vereinigen sich die Gemeinden Barsinghausen, Kirchdorf und Egestorf verschmelzen zur Gemeinde Barsinghausen sowie Hohenbostel, Winninghausen, Wichtringhausen und Bantorf zur Einheitsgemeinde Hohenbostel.
21. August 1969 Die Gemeinde Barsinghausen erhält das Stadtrecht.
1. März 1974 Durch das Hannover-Gesetz wird die Gemeinde Goltern wird nach Barsinghausen eingemeindet. Die Stadt Barsinghausen umfaßt nun neun ehemals selbständige Gemeinden mit 18 Ortsteilen auf einer Fläche von 103 km².
um 1980 Großgoltern zählt rund 700 Einwohner.
Juni 1981 Die Kirchengemeinde feiert ihr 750-jähriges Bestehen.
um 1998 Großgoltern zählt über 1.000 Einwohner. Grund dafür ist das Neubaugebiet in der nun verlängerten Wilhelm-Kruse-Straße. Die Stadt Barsinghausen hat insgesamt rund 36.000 Einwohner.
1. November 2001 Der Landkreis Hannover wird aufgelöst und unter Einbeziehung der bisher kreisfreien Landeshauptstadt Hannover zur Region Hannover, einer in Deutschland neuartigen Gebietskörperschaft.

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